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Das Herz von Rock-City Jülich
Von Arne Schenk [20.04.2008, 13.52 Uhr]

„Ich habe die Zukunft des Rock’n’Roll gesehen“, erklärte der Musikkritiker Jon Landau 1974 enthusiastisch, als er Bruce Springsteen das erste Mal live erlebte. Stilistisch zwar meilenweit vom „Boss“ entfernt, vermittelten die ersten beiden Formationen bei der vierten Version vom Rock City Jülich-Festival des Jugendparlaments Jülich (JuPaJü) den Eindruck, dass es band-technisch auch in den kommenden Jahren bestens um die Szene der Herzogstadt bestellt ist.

Pentamatics

Pentamatics

Mit Startnummer „1“ gaben sich „Pentamatics“ zu keiner Zeit mit der Einheizerrolle zufrieden und rockten vom Stand weg das Publikum. Angepeitscht von Stefan Jörres’ präzisen Drumbeats und dem pumpenden Bass von Adrian Schlesinger, dessen Fähigkeiten endlich einmal richtig gefordert wurden, sorgten die Gitarristen Michael Abels und Max Schaal, der auch die Lead-Vocals übernahm, mit Songs wie „Vengeance, alone“ und „Tears of Blood“ für mächtig Druck in der KuBa-Halle. Mit diesem zweiten öffentlichen Auftritt unterstrichen die Metal-Jungs ihre ernsthaften Ambitionen, dem hiesigen Metallager einen außerordentlichen Ruf zu erspielen.
Für eine gleichermaßen große Bereicherung auf dem Punkrock-Terrain sorgten „Society of Suicide“. Bassist und Sänger Julian Jansen, Drummer Benedikt Rings sowie die Gitarristen Patrick Arregui und Jannis Körfer-Peters bewiesen nicht nur eine bereits sehr gut entwickelte Spieltechnik sondern darüber hinaus viel Weitblick für eine sinnvolle Rollenverteilung innerhalb der Band. Mit ihrem erstaunlich guten Zusammenspiel und Sinn für einprägsame Licks und Melodien besitzen sie schon eine solide Fan-Basis, die bereits zu früher Stunde für ordentlich Bewegung vor der Bühne sorgten und frühe „Hits“ wie die Ballade „Don’t go away“ genau so wie die Faxnummer von Gitarrist Jannis lauthals forderte.
Während auch „Pentamatics“ ordentlichen Zulauf verzeichnete, leerte sich die Halle merkwürdigerweise, kurz bevor die „Dogmatic Bastards“ in Position gingen. Obwohl Gitarrist Robert, Bassist Benny und Drummer Felix ihr Bestes gaben, spielten sie weitestgehend vor leeren Rängen, was allerdings die Spielfreude der „Bastards“ kaum beeinflusste. Doch auch die nachfolgende Düren-Aachener Formation „Lightsome“ konnte die Zuschauer nicht zurück vor die Bühne locken. Der gut gemachte Emocore von Sänger/Bassist Alex Zuza, Gitarrist Erik Lipperts und Drummer Andreas Dahmen stieß auf wenig Gegenliebe.

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Peilomat

Peilomat

Die Besucherpause endete erst, als die Lokalmatadoren „Last Train home“ ihren Bandsamplerbeitrag „Can’t fake a Smile“ intonierten. Vor Selbstbewusstsein strotzend feuerten die Gitarristen Daniel und Mattes Stakkatorhythmen ab, während Bassist Sven pumpende Bassläufe auf den treibenden Drumbeat von Ausnahmeschlagwerker Jan setzte. Ohne Unterlass hastete Sänger Kriens über jeden Zentimeter Bühnenbodens und schleuderte die Punkparolen ins pogende Volk.
Doch der Sturm endete abrupt, und bei den nachfolgenden Aachenern „Longing for Tomorrow“ herrschte weitgehend wieder Windstille von Seiten des Publikums. Auch wenn Sänger/Gitarrist David Frings, Bassist Martin Classen und Drummer Damian Altdorf mit Einspielern von Gitarrist Chris Hell dessen Abwesenheit weitgehend kompensierten, fehlte schon rein optisch der vierte Mann im Showgeschehen.
Dies änderte sich schlagartig, als Hauptact „Peilomat“ die Bühne erklommen. Reihenweise Mädels bestaunten mit glänzenden Augen hautnah ihre „Helden“ und sangen fast jede Zeile auswändig mit. Erst jetzt wurde offenbar, warum das Festival als ausverkauft galt. Auch wenn sie mit ihrem stark „Teenie-kompatiblen“ Rock-Pop á la „Jenny“ und „Großstadtkinder“ zuweilen etwas belächelt werden, besitzen Gitarrist und Sänger Flo Peil, Bassist Sebi Wagner und Drummer Hennich Marien genügend musikalisches Potential, um dauerhaft zu bestehen.
Äußerst souverän wie spontan und gleichzeitig sehr versiert auf ihren Instrumenten boten sie herzerfrischend kurzweiliges Entertainment. Wenig Berührungsängste zeigten die Peilos bei ihrer Show. Sebi ließ sich gar zum T-Shirt-Tausch hinreißen und gab sein eigenes gegen ein angeschmuddeltes Unterhemd weg. Manch’ anderer mag dieses nicht einmal mit der Kneifzange angefasst haben, der Bassist streifte es sich dennoch tapfer über. Das ist wirklich das Herz des Rock’n’Roll. Damit legten sie allerdings auch die Messlatte für ein mögliches „Rock City“ im kommenden Jahr sehr hoch.


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