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Mörderisch gute Punkrock-Gemeinschaft
Von Arne Schenk [31.03.2008, 20.09 Uhr]

Selbstmordgedanken hegen sie keine, beteuern die Mitglieder der Jülicher Band „Society of Suicide“. Vielmehr sei der Name metaphorisch gemeint, betont Sänger Julian. Überhaupt könne das jeder so interpretieren wie er oder sie es wolle. Offenbar versucht manch einer ihrer Zuhörer, die „Gesellschaft des Selbstmordes“ wörtlich zu verstehen und finden den Namen ganz einfach blöd. Dabei sei es eher global gemeint, wie Gitarrist Patrick erklärt: „Gemeint ist, dass die ganze Menschheit diese Gemeinschaft bildet, die sich selbst zerstört.“

Society of Suicide

Society of Suicide

„Das bedeutet aber nicht, dass wir Besserwisser sind, oder?“, fragt Jannis, der zweite Gitarrist, und schaut Zustimmung suchend in die Runde seiner Kollegen. Die sehen das ähnlich. Es ist halt ein einprägsamer Name. Sogar, wenn nur die Initialen benutzt werden, so Drummer Benedikt: „Uns ist zuerst gar nicht aufgefallen, dass es als Abkürzung ‚S.O.S.’ ergibt.“
Momentan spielen sie genau in dieser Besetzung, auf der Bandsampler-Release-Party Ende November 2007 wie auch beim 4. Rock City rocks again vom Jugendparlament Jülich, das am Samstag, 12. April, im Kulturbahnhof steigt. Mit von der Partie sind dann „Peilomat“, „Longing for tomorrow“, „Lightsome“, „Last Train home“, „Dogmatic Bastards“ und „Pentamatics“.
„Weil viele Songs nur mit zwei Gitarren zu spielen sind, haben wir uns den Jannis geholt“, meint Patrick. Bei der Gruppengründung stand noch Anni an der Gitarre, ehe sie zunächst an den Bass und dann für ein Jahr in die U.S.A. wechselte. „Wenn sie wiederkommt, übernimmt sie den Bass, und Julian singt nur noch.“
Dieser unterstreicht, dass die gleichzeitige Bedienung von Bass und Gesang nicht immer einfach sei. Letztendlich fühle er sich eben mehr als Sänger und dafür brauche er viel Freiraum: „Wenn ich Musik höre, denn muss ich ganz aus mir heraus.“ Am Bass ginge das schlecht.
Bekannt sind sie auch schon mal als Ärzte-Cover-Band, obwohl eigentlich nur Jannis wirklicher Fan ist. Patrick steht dafür mehr auf Metal à la „Bullet for my Valentine“, Benedikt auf Gothik, während Julian Punkrock und Indie bevorzugt. Bei „Billy Talent“ kommen denn auch alle auf einen Nenner.
Grob gesehen ist damit auch schon die Stilrichtung von „S.O.S.“ vorgegeben: Punkrock. Nichts gegen die „Ramones“, aber: „Wir versuchen keine Songs zu schreiben, die nur aus drei Akkorden besteht“, bekräftigt Patrick. Dafür sprechen auch die Parts für zwei Gitarren.
Größtenteils liefern er und Julian die Inspirationen. So ruft schon mal Patrick den Sänger an: „Ich habe eine neue Idee“ und spielt diese direkt vor. Da passiert es auch, dass Julian sich erst einmal sehr kritisch zu der Eingebung äußert. „Hinterher klingt es doch“, schmunzelt Patrick.
Allerdings schaffen es viele Ideen nicht bis zur Bandprobe: „Da kommen nur die besten rein“, ergänzt Julian. Er ist auch derjenige, der zuweilen schon für beide Gitarren feste Teile entwirft. Ansonsten werden die Stücke im Proberaum gemeinsam erarbeitet. „Es ist effektiver, wenn sich jeder selbst etwas anderes ausdenkt“, findet Jannis. Benedikt hat als Drummer eh freie Hand.

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Benedikt, Patrick, Julian, Jannis

Benedikt, Patrick, Julian, Jannis

Ein Dutzend Songs stehen derzeit im festen Programmaufgebot, hauptsächlich Abgehstücke wie „Airborne“ und „No next Day“, aber auch eine Pop-Ballade ist dabei: „Don’t go away“: „Für die Mädels“ wie die Kapelle betont. Natürlich geht es da um eine zerbrochene Beziehung.
„Airborne“ ist der Konzert-Opener schlechthin. Nicht nur, weil es darin um eine Neuanfang geht und um die Aufforderung, alte Fehler zu vergessen. Auch das Lied selbst baut sich in einem langem Intro allmählich auf. Nachdenklich gibt sich „No next Day“, in dem unter anderem die Angst vor dem Tod thematisiert wird: „Every night I’ll fall asleep / cause I know I’ll wake up / but sometime there will be the day / when the routine here will stop“. Zwischendurch erinnert das „Dreckpunkstück“ „Mirror“ daran, dass oft zu viel Wert auf Äußerlichkeiten gelegt wird.
Ernst nehmen die Musiker ihr Metier jetzt schon. Dies äußert sich unter anderem in einem recht reifen und homogenen Bandsound. Im Januar 2007 hatten sie dazu ein Dutzend Freunde zu einer halböffentlichen Probleme eingeladen, nur um von ihnen ein klares Feedback zu erhalten. Eine der positiven Erkenntnisse daraus war, dass die Formation keinen Einheitsbrei zu erzeugen scheint, sondern dass jedes Lied sein Milieu habe, wie es Julian ausdrückt, und Patrick meint: „Jeder hatte unterschiedliche Lieblingssongs, ohne dass eines wirklich hervorsticht.“ So fällt es auch der Gruppe schwer, sich für bestimmte Stücke zu entscheiden.

Society of Suicide, gegründet Herbst 2006:
Julian Jansen: Gesang
Patrick Arregui: Gitarre, Gesang
Jannis Körfer-Peters: Gitarre
Anni Wierichs: Bass
Benedikt Rings: Schlagzeug

Neben dem Rock City rocks again 4 am 12. April sind diverse andere Konzerte in diesem Jahr geplant, unter anderem beim Weihnachts-NoiseLess 2008 im Bonhoeffer-Haus.
Eine Demo-CD mit den Songs „Airborne“, „Mirror“, „Betrayed Secrets“, „Don’t go away“ und „No Next Day“ präsentieren einen Querschnitt durch das aktuelle Programm. Aufgenommen hat die Band um Weihnachten 2007. Gemischt und remastered wurde die CD von Mirko Rum im Januar 2008.
Weitere Infos auf www.society-of-suicide.de sowie www.myspace.com/societyofsuicide im Internet.


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