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Eine ganze KuBa-Halle voller siamesischer Zwillinge
Von Arne Schenk [27.03.2007, 18.17 Uhr]

Durchweg mitreißende Musik, volle KuBa-Halle, prima Stimmung, perfekter Ablauf, keine Randale und im Backstage eine rundum zufriedene Anja Laux, die sich um nichts zu kümmern brauchte: Besser ist ein Rockcity Jülich-Festival des Jugendparlaments noch nie abgelaufen wie die dritte Auflage. Dass alles so prächtig funktionierte, sei ihren engagierten Mitarbeitern zu verdanken, erklärte die Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt Jülich.

Gleich dreimal hatte „Tanzmob 2000“, hier mit Nick D. und Lukante (rechts) das Bühnenvergnügen

Gleich dreimal hatte „Tanzmob 2000“, hier mit Nick D. und Lukante (rechts) das Bühnenvergnügen

Die Bands taten das ihrige und bereiteten prächtige Partylaune. Beachtlich gut instrumentalisch aufeinander eingestellt betätigten sich „Gl3is“ erfolgreich als Anheizer. Mit ihrem neuem zweiten Gitarristen Nico Heck sorgten Stefan Peischard (Gitarre) Adrian Schlesinger (Bass) und Martin Smotrycki (Drums) nun für deutlich mehr Druck als bisher. Derweil gab sich Sänger Christopher ganz als Frontmann, ließ die Fans bei „Schrei nach Liebe“ mitgröhlen, offenbarte sein Faible für die Kreativitätsdroge „Grüner Tee“ und striff nebenbei erfolgreich das „Loser-Image“ seiner Band ab.
Doch nicht nur sie haben in den vergangenen Monaten eine erstaunliche Entwicklung hinter sich gebracht. Auch die Gitarristen Felix Althaus und Marius Dohmen, Basser Marlon Lorscheid und allen voran ein glänzend aufgelegter Yannik Besselmann am Schlagzeug ließen ehemals lästernde Stimmen verstummen. Mit „Screaming“ Simon Ruland gaben sie als „Rising Pulse“ alles („Give it all“) und knallten schon bei ihrem ersten Auftritt zielsicher in eine recht metallische Richtung ohne ihre Punkrock-Wurzeln zu kappen.
Fest verankert im Heavy Metal sind seit jeher „Salix“. Kompromisslos und souverän steigern sich Shouter Mark Hartmann, die Gitarristen Michael Schweisthal und Sebastian Muckel, Bassist Simon Schroeder und Schlagzeuger Philip Perez von Auftritt zu Auftritt. „Head over Heels“ bangte und rockte das Quintett über die Bühne, ohne einen Schwachpunkt zu zeigen oder gar einen Schwächeanfall zu erleiden. Zum Schluss ihres Sets präsentierten sie ihr nicht nur ihr neustes Bandmitglied, den zweiten Sänger Stefan Hummelsheim, sondern beim allerletzten Song „Zuckerstück“ auch „Tanzmob 2000“. Das Experiment Rap’n’Metal gelang mit seiner atemberaubenden Mischung vollends.

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Die Fans vom Rockcity rocks 3 tragen Montreal-Schlagzeuger Max Power auf Händen, sogar bis zur Theke zum Sekt holen und wieder zurück zur Bühne.

Die Fans vom Rockcity rocks 3 tragen Montreal-Schlagzeuger Max Power auf Händen, sogar bis zur Theke zum Sekt holen und wieder zurück zur Bühne.

Damit hatten die nachfolgenden „HiJack“ aus Heinsberg einen schweren Stand, zumal sie nicht den Heimnimbus der anderen Formationen, die mit Ausnahme des finalen Topacts alle der Herzogstadt enstammen, besaßen. Zudem sprangen sie kurzfristig für „Kill.Kim.Novak“ ein, die krankheitsbedingt abgesagt hatten. Davon ließen sich Markus Schulte (Gitarre, Gesang), Tim Roggen (Bass, Gesang), Ragnar Brockschnieder (Gitarre) und Stephan Holtrup (Drums) nicht abschrecken, und lieferten mit ihrem Emo-Core ein gutes grundsolides Konzert ab.
Danach gaben sich die Tanzmobber mit eigenem Programm die Ehre. Allerdings mussten sich die Fans erst einmal an die dünne Hintergrundmusik gewöhnen, denn anstelle einer fetten Combo ertönten aus der PA Computer-generierte Klänge. Doch Nick Dangerous, Lukante, Philthy One und Maxxer der Zerflaxxer zeigten wenig Interesse daran, dass die Zuschauer, eine Atempause einlegten, brachten mit „Palü“ und „Wir sind die Männer“ Bühne wie Publikum gleichermaßen kräftig in Schwung. Nebenbei bescherten sie dem guten alten Feinripp-Unterhemd eine Renaissance, denn das eigentlich eher unscheinbare Wäschestück kleidete an diesem Abend einen recht großen Teil der Anwesenden.
„Poppycock“ mussten sich anschließend gehörig anstrengen, um dieses Niveau zu halten. Obwohl sie derzeit viel pausieren, schafften sie es dennoch, einen herzerfrischenden Gig hinzubekommen, nahmen zwei Cover-Songs ins Repertoire auf, kramten in der Songkiste ganz unten und holten „Mad Man“ heraus. Frech nach dem Motto: „Und ab dafür“ knüppelte Daniel Besselmann den Weg frei, Denis Jumpertz pflasterte mit seinen taktklaren Vier-Saiter-Hammern das Fundament, auf dem die Gitarreros Jan Koch und Klaus Schweizer mit krachigen Riffs über manche Grenze („Across the border“) preschen konnten. Gerade Sänger/Gitarrist Klaus übernimmt immer mehr die Rolle des Kapitän, der den Karren punktgenau ins Ziel lenkt.
Doch die Könige der Rockcity-Straße waren an diesem Abend „Montreal“. „Was war denn das?“, wunderte sich mancher Konzertbesucher nach deren Auftritt. Fast schon eine Art Punkrock-Comedy zelebriert das Hamburger Trio mit ihrem Proberaumgeschwafel im verbalen Schlagabtausch, das auch live funktioniert und von den Zuschauern nachvollzogen werden kann. Da zeigen sich auch Zuschauer begeistert, die ansonsten dem deutschsprachigen Pop-Punkrock nicht viel abgewinnen können. Dieser wird aber großartig dargeboten. Schlag auf Schlag geht es von der „Ubahnlinie2“ bis zum „Ende der Ballonfahrt“. Dabei legen sie nicht nur ihre Seele bloß und feiern Drummer Max Power mit einem Song gleichen Namens. Die Fans tragen den Schlagzeuger auf Händen, sogar bis zur Theke zum Sekt holen und wieder zurück zur Bühne. Zwischendurch outen auch sie sich als neue „Tanzmob“-Bewunderer, als Gitarrist/Sänger Yonas deren Unterhemd anzieht und Philthy One und Lukante auf die Bühne zum Rappen holt. Zum Schluss demonstrieren sich Bassist/Sänger Hirsch und Yonas mit „Stuck together“ als siamesische Zwillinge im Geiste. Spätestens nach diesem Abend kleben noch viel mehr an ihnen, zumindest als Fans.


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