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Gemeinsam rappen mit Tanzmob 2000
Von Arne Schenk [16.03.2007, 14.39 Uhr]

„Übermenschen in Unterhemden“ betiteln sich provokant wie selbstkritisch die Vier von „Tanzmob 2000“. Seit Anfang 2006 rappt sich die Truppe durch das Jülicher Land, darunter beim Fuck your Authority, machte aber auch in Aachen, Köln und Braunschweig Station. Größter Erfolg dabei war der Sieg beim 1. Grand Prix KUBAvision de la Chanson Contest im vergangenen August. Tanzmob 2000 – klingt das nicht etwas old-fashioned? Keineswegs, wehrt Nick Dangerous ab, schließlich sei der Name eine Anspielung auf den Tanzclub 2000. „2000 klingt auch so monumental“, fügt Lukante hinzu, während Philthy den Millennium-Crash assoziiert.

Bis aufs letzte Unterhemd

Bis aufs letzte Unterhemd

Die Keimzelle der Mobs war jedenfalls Nick: „Ich habe elektronische Musik gemacht und irgendwann auch angefangen, die aufzunehmen.“ Erst einmal wurde mit einem Bekannten, der sich STA – Smoky, the Artist - nennt, „ge-freestyled“. Dies beschränkte sich aber bis auf einen Live-Auftritt hauptsächlich auf Internet-Battles: „Einer hat einen Beat geschickt, und da musste ich innerhalb von zwei Tagen antworten, dann hatte der wieder zwei Tage Zeit.“ Eine neutrale Jury der Website bewertete das Ganze.
Aufnahmetechnisch sei es damals sehr amateurhaft zugegangen, erklärt Lukante, der als nächster ins Spiel kam: „Ich war zufällig da, und da meinten die: ‚Nimm’ doch mal die eine Zeile auf’, und da sollte ich irgendwas dazwischen rufen.“ Das bereitete ihm dermaßen Spaß, dass er direkt einen eigenen Text fabrizierte, den er an Ort und Stelle aufnahm. Auch wenn er diesen heute als „ganz schlecht“ beurteilt, war er ab sofort ernsthaft infiziert. Nicks Bruder Philthy One stieg gleich mit ein.
Danach begann sich die Sache herumzusprechen. Es kamen dauernd Leute vorbei: „Denen haben wir unsere schlechten Tracks vorgespielt, und die waren total begeistert.“ Jeder wollte etwas mit dem Trio machen. Fast wie im Casting-Verfahren ist irgendwann Maxxer dran gewesen. „Und er war derjenige, der am besten zu uns gepasst hat“, erinnert sich Lukante.
Damit war die Formation perfekt. Der erste Song wurde aufgenommen: „Palü“. Kurz vor dem ersten Auftritt im Mai 2006 war das Etiquett „Tanzmob 2000“ gefunden. „Da haben wir das erste Mal gemerkt, dass nicht nur wir uns cool finden“, schmunzelt Maxxer der Zerflaxxer.

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Lukante, Nick Dangerous (vorne), Maxxer der Zerflaxxer, Philthy One

Lukante, Nick Dangerous (vorne), Maxxer der Zerflaxxer, Philthy One

Die Beats und Sounds zu den Songs kreiert Nicky D. auf einem Synthesizer im PC. Dann wird ein Thema gesucht, auf das jeder für sich einen Text schreibt. „Jeder hat seinen ganz eigenen Stil, der ist bei uns Vieren völlig unterschiedlich“, stellt Lukante fest. Das Thema selbst lässt Jedem genügend Freiraum: „Wir geben uns meistens nur Minimalvorgaben, das grobe Thema“, beschreibt es Phil, Lukante ergänzt: „Oft sind das nur Strukturvorgaben, dass wir sagen: ‚Lasst uns mit dem und dem Wort anfangen.“ So bei dem Stück „Wir sind die Männer“ oder dem „Wäre-Rap“.
„Ich baue typische HipHop-Elemente wie Gewalt, Drogen, Selbstdarstellung oder Sex zu etwas anderem zusammen“, bringt es Lukante auf den Punkt. „Auf jeden Fall kann man die meisten Texte als Persiflage auf diesen platten Gangsta-Rap sehen“, bekräftigt Philthy One. Diese satirische Attitüde wird dann durch eine partymäßige, fröhliche Stimmung unterstützt. Damit möchte sich das Quartett auch von den Rappern distanzieren, die ihre Gewaltvorstellungen in den Texten ernst nehmen.
Auf dem „Zechen-Sampler“ im Internet sind „Tanzmob 2000“ mit anderen Crews aus der Umgebung von Aachen, Alsdorf, Düren, Eschweiler, Stolberg und Jülich vertreten. Doch auch eine eigene CD is in Planung. „Unser Album kommt in zwei Monaten“, verspricht Lukante. „Aber bei uns heißt ‚zwei Monate’ nicht unbedingt ‚zwei Monate’. Wir sind nicht so produktiv, wie wir es gerne wären.“ Immerhin seien acht von den 20 bis 30 aufgenommenen Stücken CD-tauglich.
Zuvor steigt aber der mittlerweile achte Auftritt, diesmal beim Rock City Jülich rocks again III am Samstag, 24. März. „Wir nennen uns Live-Band, auf jeden Fall“, unterstreicht Lukante. Nicky D. fügt hinzug: „Das ist schon das Beste.“ „Das macht total Bock“, haut Maxxer in dieselbe Kerbe, „vor allem, wenn man sieht, welche Freude das Publikum an uns hat.“ Im Gegensatz zu anderen Combos, die T-Shirts mit ihrem Logo feilbieten, hat „Tanzmob 2000“ natürlich Unterhemden. Die waren direkt am ersten Tag ausverkauft. Für TM sei es schon sehr cool, wenn Leute damit im Konzert auftauchen. „Mittlerweile haben wir eine ziemlich treue Fan-Base, von denen einige immer in der ersten Reihe stehen und die Arme oben haben“, berichtet Phil. „Das ist geil“, kann sich auch Lukante dieser Atmosphäre nicht entziehen, „wenn man vorne steht und rappt, diese Leute rappen mit.“

Tanzmob 2000:
Nick Dangerous alias Nicky D, Maxxer der Zerflaxxer, Lukante, Philthy One
Die Band ist zu hören auf dem Rock City Jülich rocks again III gemeinsam mit Poppycock, Gleis 3, Salix, Rising Pulse, Montreal, Kill Kim Novak am Samstag, 24. März im Kulturbahnhof. Das Konzert beginnt um 16 Uhr; Einlass wird ab 15 Uhr gewährt. Der Eintrtt kostet 5 Euro. Infos auf www.kuba-juelich.de im Internet sowie im KuBa unter Tel. 02461/346643.

Online-Sampler:
3t-production.de/sampler
Tanzmob 2000 Im Internet:
www.myspace.com/tanzmob2000


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