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Die Schlüssel zum „anderen“ Klangerlebnis
Von Arne Schenk [10.11.2005, 10.20 Uhr]

„Schlüssel sind wir“ heißt die Losung bei Bernd Comouth und René Sorychta: Keys „R“ Us. Denn das Duo öffnet die Pforten zu Klangerlebnissen der anderen Art. Der Weg dorthin führt natürlich über das Schlüsselbrett, zu englisch „Keyboard“. Zu hören ist das Duo auf der NoiseLess-Gala im Kulturbahnhof am Samstag, 26. November, 20 Uhr.

Schlüssel, das sind wir: Keys R us

Schlüssel, das sind wir: Keys R us

Die Keys gründeten sich im Frühjahr 2002, „weil wir zusammen musizieren wollten“, betont Bernd Comouth. Ziel war es, das Ansehen des Keyboards aufzuwerten, und so vom Alleinunterhalterimage wegzukommen. In dieser Branche hatte er zuvor bereits vielfach Erfahrungen und Meriten gesammelt. Angefangen hat Bernd auf dem Akkordeon mit Beginn des 6. Lebensjahres.
Danach ging er den „üblichen“ musikalischen Weg, kam im Schülerorchester unter: „Ich bin eingesprungen, wenn einer fehlte, und gespielt, was gespielt werden musste.“ René Sorychta pflichtet ihm bei: „Wenn du Tasten drückst, musst du immer Lücken füllen.“ Werden Streicher oder ein Instrument für den Soloteil gesucht, sind halt die Keyboards gefragt. „Hast du mal ‚nen passenden Sound?“ Natürlich könne er dann 1000 verschieden Soundmöglichkeiten anbieten: „Aber frage mal einen Gitarristen, ob er einen anderen Sound hätte, dann sagt er: Ich habe zehn Jahren gebraucht, um diesen einen Sound zu entwickeln.“
Anfang/Mitte der 60er Jahre begann so Bernd Comouths musikalischer Werdegang. „Ich bin aufgewachsen mit Shellack-Platten, Hits wie ‚Was machst du mit dem Knie lieber Hans’ oder ‚Ausgerechnet Bananen’ und den ersten Nachkriegsschlagern“, erzählt Bernd Comouth, „das hat mich geprägt.“ Mit 15 die erste Band, während der Schulzeit Beatles-Songs einstudiert, die erste elektrische Orgel, eine Philicorda: „Vor dem Auftritt fönen und legen“, schmunzelt der Musiker, denn das wetteranfällige Instrument musste zunächst einmal richtig warm werden. So entwickelte er sich kontinuierlich immer weiter, orientierte sich dann an Franz Lambert und Klaus Wunderlich. „Ich habe dabei viel gelernt.“ Auch, indem er Arrangements von den Schallplatten heraushörte und für die jeweilige Formation umschrieb. Da war manch’ ein Familienkrach vorprogrammiert, wenn Platte und Nadeln äußerst strapaziert wurden, weil Sohnemann eine Stelle immer und immer wieder heraushören wollte.
Daneben gibt er seit 40 Jahren Unterricht auf Keyboard und Akkordeon. Außerdem unterhält er seit 1981 einen Musikalienhandel in Jülich. Das 25-jährige Jubiläum steht am 3. Oktober 2006 an. Doch die Bühne ließ ihn dabei nicht los. Auch, als die Zeit der elektrischen Orgel passé war. Da begann der Aufstieg des Keyboards. „Auch, weil wir nicht mehr so schwer schleppen wollten“, lacht er. Denn eine Hammond Leslie-Cabinet-Box von Auftritt zu Auftritt zu tragen ist schon etwas für Möbelpacker. Irgendwann reifte dann der Wunsch, nicht mehr ausschließlich das zu intonieren, was andere hören wollten: „Wir wollten einfach das spielen, was wir persönlich schön finden.“

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René Sorychta und Bernd Comouth

René Sorychta und Bernd Comouth

Und zwar mit René Sorychta. Dieser war erst ziemlich spät zur Musik gekommen: „Ich habe mit 12 oder 13 Jahren angefangen, auf einer alten Orgel meine ersten musikalischen Gehversuche zu machen.“ Dummerweise habe er sich zuerst der Gitarre zugewendet: „Ich hätte mich auf eine Sache konzentrieren müssen.“ So wechselte er immer zwischen den beiden Instrumenten, ohne sich für eines der beiden entscheiden zu können. Einerseits sei es schon eine gute Erfahrung gewesen: „Dabei lernt man sich in die Arbeit eines Gitarristen hineinzudenken.“ Möglichst viel auszuprobieren und nachzuspielen, viele Stilistiken kennenzulernen, „30 Musiker auf 3 runter zu schreiben“, haben ihn sehr geschult. Nur, um professionell zu arbeiten, hätte er den Schwerpunkt auf eines der beiden Instrumente legen sollen.
Diese Erfahrung kam ihm bei seiner 15-jährigen Zugehörigkeit zur Country-Band „Nashville Nights“ zugute. Diese bestand aus der ungewöhnlichen Besetzung mit einer Sängerin, einem E-Gitarristen, einem Rhythmus-Gitarristen, einem Drum-Computer und eben René, der zwischen Gitarre und Keyboard wechselte: „Ich habe viel Elektronik eingesetzt, aber so, dass man es nicht merkt.“ Auch wenn es merkwürdig klingt, hat René – was auch sonst – mit dem Keyboard alles ersetzt, was an Musikern nicht vorhanden war. Zu den Auftritten gehörte auch die passende Country-Gewandung: „Es gibt da wirklich Freaks, die wie vor 100 Jahren leben.“
Anschließend arbeitete er in ein paar Bands, „wo man hin- und hergesprungen ist“, aber halt nichts Festes. Parallel dazu entstanden Keys „R“ us. Die erste CD ist bereits erschienen, die zweite folgt zum 1. Advent, eine Weihnachts-Platte mit dem Titel „Xmas Vol 1“. Allerdings sind keine Klassiker wie „Stille Nacht“ oder „Süßer die Glocken nie klingen“ dort drauf zu hören. Vielmehr stimmen die Beiden darauf fetzige internationale Weihnachtslieder wie Chris Reas „Driving home for Christmas“, die bekannten „Santa Claus is coming to Town“ und „Winter Wonderland“, aber auch Zuckowskis „Dezemberträume“ an.
Erstmals zu bekommen ist die Weihnachts-CD „Xmas Vol. 1“ von Bernd Comouth und René Sorychta auf der NoiseLess-Gala am Samstag, 26. November, 20 Uhr im Kulturbahnhof. Dann entführen Keys „R“ Us ihr Publikum auf eine Tastenreise durch das vergangene Jahrhundert. Zwar nicht völlig NoiseLess, sondern kraftvoll dafür aber eben mit Klangerlebnissen der anderen Art, wie man sie von zwei Keyboards nicht unbedingt erwartet. Karten sind im Vorverkauf erhältlich im Kulturbahnhof Jülich, Tel. 02461-346643, oder im Musikstudio Comouth in Jülich, Große Rurstraße 72A, Tel. 02461-4949.


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