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Die pure Psycho-Power
Von Ars [10.07.2005, 17.00 Uhr]

Nackt und ungeschminkt gaben sich Psycho Luna auf dem CD-Release im Jülicher Kulturbahnhof keineswegs. Wer hoffte, die Formation erscheine anlässlich der Veröffentlichung ihrer neuen CD „Nackt“ ähnlich offenherzig auf der Bühne, wurde enttäuscht. Allenfalls eine entblößte Schulter von Frontmann Mr. Lunario lugte neckisch unter den schwarzen Gewändern hervor. Aber niemand hatte wohl ernsthaft erwartet, dass sich der routinierte Gothic-Pop-Pate jenseits seiner Texte in der realen Welt wie Adam im Garten Eden offenherzig zeigte.

Auf der Welle des Erfolgs und auf den Händen der Fans lässt sich Lunario von Psycho Luna tragen.

Auf der Welle des Erfolgs und auf den Händen der Fans lässt sich Lunario von Psycho Luna tragen.

So präsentierte die Release-Party auch nicht allein die pure Psycho-Power, die Formation umgab sich zudem mit drei weiteren Bands. Den ersten Paukenschlag vollzogen die Dürener „Code Orange“. Bei ihrem dritten Auftritt überzeugten sie mit ihrem schwerem Newmetal, brachiale Sounds der Gitarristen Thomas Stolz und David Bodes, des Bassisten Dominic Larue und des Drummers René Bodes, über denen der klare Gesang von Björn Müller schwebte.

Die Jülicher „Mindless Tadpole“ ließen vergessen, dass eine mehrmonatige Schaffenspause hinter ihnen lag. Sie knüpften nahtlos an vorangegangene Zeiten an. Insbesondere Drummer Jan Egberts schien heiß darauf zu sein, mit seinen Weggefährten Daniel Dohmen (Gesang/Gitarre), Jan Egberts (Gitarre/Saxophon) und Michael Eyckenberg (Bass/Gesang) sich nachhaltig in Erinnerung rufen zu wollen.

„Koroded in Hawai-Hemden“ lautete das Programm der dritten Band, die Aachen-Dürener „Individualverformer“. Schließlich standen neben Gitarrist Dominik Renzel und Bassist Sebastian Wunder mit Sänger Jan Röder und Schlagzeuger Ben Overmann nicht nur zwei Mitglieder von Koroded auf der Bühne, auch musikalisch stehen die beiden Gruppen nicht weit auseinander.
Synthi-poppige Klänge kündigten anschließend vom Nahen des Hauptacts. Schlagartig brach die Nacht herein bis kurz vor die Bühne in Form von pechgekleideten Schattengewächsen. Düster und direkt beschwor Mr. Lunario darauf den „Clown namens Mensch“ auf der Suche nach neuer Härte. Die drückende Schwüle des Raumes verdichtete den Schweiß der Musikanten zu schweren Nebelschwaden.

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„So etwas habe ich noch nicht erlebt“, bekundete ein ob der Hitze im Haus sichtlich mitgenommener Lunario. Trotzdem nahmen Gitarrist RK, Keyboarder Alex O, Background-Vocalistin Jessy Jungle, Bassistin Leila Lugosi und Drummer B-Punkt keine Synkope aus dem Donnerdrive heraus, es sei denn, die Songs verlangten es. Selbst Schlager wie den „Feenpfad“ brachte die Band überzeugend, obwohl sie, wie Lunario betonte, eher nach Himmerich passten.

Als Kontrapunkt folgte prompt das knackige „Lucy Hoffnung“ mit der Aufforderung: „Ich will euch tanzen sehen.“ Gehorsam kamen dem die berauschten Fans nach, genau so wie sie den Refrain von „Nur getan“ gemeinsam mit dem Meister intonierten: Lunario, der Magier. Nach der CD ist vor der CD, und so bereitete Unveröffentlichtes wie die Monsterhymnen „Lucy“ und „Mörder der Liebe“ den Weg zu künftigen Großtaten Psycho Lunas.

Auf der Welle des Erfolgs und auf den Händen seiner Fans lässt er sich davontragen, und sei es nur bis zur Theke und zum Soundmixer Martin Bachner, um diesem ein Bier zu kredenzen, und wieder zurück zur Bühne, um dort mit der Show fortzufahren. Denn er weiß, dass seine Inszenierung nur aufgrund breiter Unterstützung funktioniert. Von daher sind die ausführlichen Dankesschwüre kein reiner Publicitygag sondern ehrlich gemeint.


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