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30 Jahre Wahnsinn in Vollendung
Von Arne Schenk [11.06.2009, 16.15 Uhr]

Dreieinhalb Zentner Lebendgewicht bringt der „letzte deutsche Punk’n’Rock-Dinosaurier“ auf die Bühne und feiert dort zwei Jubiläen: 60 Jahre auf der Welt, davon 30 Jahre Wahnsinn in Vollendung: Jürgen Zeltinger. Der „Asi mit Niwoh“ rockt und schwitzt wie eh und je, sogar am Samstag, 20. Juni, im Jülicher Kulturbahnhof. Karten sind erhältlich zu 10 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr (Abendkasse 13 Euro) beim Kulturbahnhof Jülich, Tel. 02461/346643, in der Buchhandlung Fischer, bei Mode Friese Markstraße 5 sowie Online über info@kuba-juelich.de.

Freuen sich über die Zusage von "Zeltinger": (v.l.) Frank Lieth, Cornel Cremer, Axel Fuchs, Jörg Bücher und Jürgen Elsen.

Freuen sich über die Zusage von "Zeltinger": (v.l.) Frank Lieth, Cornel Cremer, Axel Fuchs, Jörg Bücher und Jürgen Elsen.

Zeltinger ist Kult, und die Jülicher KG ULK mindestens zu drei Vierteln auch, rein buchstabentechnisch. Grund genug, dass das Kölner Urgestein den Auftakt zu einer jährlichen Veranstaltungsreihe bildet, den die KG ULK 1902 Jülich und der KuBa künftig in Kooperation auf die Beine bringen. „Wir wollen gemeinsam etwas für die Sommermonate etablieren“, meint KuBa-Geschäftsführer Cornel Cremer. „Es sollte aber etwas in rheinischer Mundart sein“, erklärt Frank Lieth vom ULK, während sein Präsident Jörg Bücher hinzufügt: „In jeglicher Form.“ Allerdings soll es dabei bewusst nicht zu einer „kölschen Nacht“ kommen und auch nicht in Konkurrenz dazu stehen.

Anno 1979 sorgte der Kölner Jürgen Zeltinger mit seinem Debüt „Live im Roxy“ für Furore in der deutschen Musiker Szene, etablierte doch eben jene Scheibe, die auch heute noch als eine der Kultplatten teutonischen Kulturschaffens gilt, den Kölschen Asi-Rock in der germanischen Musiklandschaft. Diesen Status festigten Jürgen Zeltinger und seine Band mit den beiden Alben „Schleimig“ (1980) und „Der Chef“ (1982) sowie den sich nach deren Veröffentlichungen anschliessenden Club-Tourneen.

Bis zum 1986er Release „Schon wieder live“ machte das schwergewichtige Kölner Original lediglich mit einigen Single-Veröffentlichungen (unter anderem „Italia“) auf sich aufmerksam, bevor ihn eine ausverkaufte Comeback Tour erneut kreuz und quer durch die bunte Republik Deutschland führte. Erfolgreiche Support-Slots unter anderem für Tina Turner und Joe Cocker, sowie eine Show vor 45000 Besuchern des Rheinhausener Open Airs 1986 zählten in den folgenden Wochen und Monaten zweifellos zu den Höhepunkten Zeltingers und machten auf beeindruckende Weise deutlich, dass in Sachen deutschsprachiger Rockmusik nunmehr kein Weg an Jürgen Z. und seinen Bundesgenossen vorbeiführte.

Nach dem 1988er Album „Weder Mensch noch Tier“ trennten sich die Wege Jürgen Zeltingers, Robbie Vondenhoffs und Alex Parches für geraume Zeit, auch wenn Letztgenannter noch den 1990er Longplayer „Ich bin ein Sünder“ produzierte.

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Jürgen Zeltinger (zweiter von links) und Band

Jürgen Zeltinger (zweiter von links) und Band

Für ein weiteres Aufhorchen sorgte zudem das 1992er Album „Solo Plaat“, an dem ein anderer berühmter „Dialektiker“ aus Köln mitwirkte: BAP-Front- und Mainman Wolfgang Niedecken. Gemeinsam bewiesen beide, dass Rockmusik keine stilistischen Grenzen kennt, denn während die Band mit den berühmten drei Buchstaben vor allem im gemässigten AOR Bereich agierte, zeichnete sich hier Jürgen Zeltinger für die rockigeren Nuancen verantwortlich. Nach dem 1994er Release „Scheisse“ trennte sich Jürgen Zeltinger von seiner Band "...man hatte sich auseinandergelebt".

Erneut verbündete sich Jürgen Zeltinger mit seinem langjährigen Songwriting-Partner und Gitarristen Alex Parche und realisierte „Faktor-Z“ (1996), ein Album, das in Sachen Kompaktheit keinerlei Wünsche offen lässt und einerseits zu den Wurzeln traditioneller Rockmusik zurückkehrte, andrerseits es mit einem modernen, zeitgenössischen Heavy-Sound so richtig krachen liess. 1997 drehte sich in der Zeltingerband nochmals das Gitarristen-Karussel, nun um den Posten neben Veteran Alex Parche zu besetzen.

Nach Mathias Dieth stieß Stephan Neumeier zur Truppe, der nach einigen internationalen Plattenveröffentlichungen in seiner Heimatstadt Köln auf die geeigneten Überzeugungstäter traf. Es folgte was folgen musste: Touren und nochmals Touren, den Arsch abspielen von der Waterkant bis in die Alpen-Berge. Ausverkaufte Clubs und Festivals lieferten den Beweis, dass ursprünglicher Straßenrock lebt und auch im neuen Millennium kein Verfallsdatum zeigt.

Nach dem offiziellen CD-Bootleg „Voilá! Leck ens am Arsch“ (2003) und der CD-Maxi/DVD „Mit nacktem Arsch und Rock’n’Roll“ (2005) der Schock zum Jahreswechsel 2006/2007: Alex Parche, Jürgen Zeltingers langjähriger Weggefährte wurde mit einem schweren Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert – akute Lebensgefahr, zwei Monate künstliches Koma, erst vor Kurzem konnte mit ersten Reha-Maßnahmen begonnen werden. Ganz im Sinne von Alex Parche wird die Zeltingerband weiterhin ihr Ding durchziehen. Die Gitarre übernimmt Volker Voigt, unter anderem bekannt durch Deutschlands erfolgreichste AC/DC-Tribute-Band Dirty Deeds ’79. The show must go on – allein schon Alex zuliebe!

Infos über www.kuba-juelich.de im Internet.


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